Der Konzern reagiert mit Stellenkürzungen auf das schwierige Geschäft in der Kraftwerkssparte. Die Turbinenwerke in Görlitz und Leipzig sollen geschlossen werden.

Siemens will in den nächsten Jahren weltweit 6.900 Arbeitsplätze streichen, davon die Hälfte in Deutschland. Die Turbinenwerke in Görlitz und Leipzig sollen geschlossen werden, das Werk in Erfurt wird womöglich verkauft, teilte der Konzern mit. Durch die geplante Zusammenlegung des in Erlangen und Offenbach angesiedelten Lösungsgeschäfts der Kraftwerkssparte dürfte auch der Standort Offenbach mit rund 700 Beschäftigten vor dem Aus stehen.

Schon seit Längerem wird Siemens in der Kraftwerkssparte mit weltweit rund 46.800 Beschäftigten vor allem seine großen Gasturbinen in Deutschland und Europa nicht mehr los. Das hat zu einem Preisverfall und zu Überkapazitäten geführt. Das Geschäftsfeld “Prozessindustrie und Antriebe” mit zuletzt rund 44.800 Mitarbeitern weltweit bietet etwa Getriebe, Motoren, Antriebe und Kupplungen für die Öl-, Gas- und Bergbauindustrie an. Es ist damit auch stark von den Rohstoffpreisen abhängig. In beiden Sparten hatte Konzernchef Joe Kaeser bereits Jobs gestrichen.

Am stärksten betroffen ist die Kraftwerksparte, die von den Folgen der Energiewende betroffen ist. Dort fallen nun allein 6.100 Stellen weg, davon 2.600 in Deutschland. Bei den elektrischen Antrieben werden 760 Arbeitsplätze abgebaut, der überwiegende Teil davon in Berlin. Auch dort gebe es deutliche Überkapazitäten, teilte Siemens mit. “Wir werden diese Maßnahmen sorgfältig, umsichtig und langfristig anlegen”, sagte Personalchefin Janina Kugel.

Zumindest in Deutschland wolle der Konzern ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen. “Wir sind nach wie vor interessiert an einem konstruktiven Dialog mit den
Arbeitnehmern und wollen das so durchführen, dass wir ohne
betriebsbedingte Kündigungen auskommen”, sagte Kugel. Zunächst gehe es darum, in Gesprächen zu klären, wie viele Beschäftigte
Angebote wie etwa den Wechsel in andere Bereiche oder zur
Weiterqualifikation annehmen. Erst danach lasse sich
absehen, ob betriebsbedingte Kündigungen nötig sein werden. Möglichst viele der Betroffenen sollten auf die 3.200 freien Stellen im Konzern vermittelt werden.

Vor Bekanntgabe der Pläne hatte die Siemens-Führung auch betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen. Die Gewerkschaft IG Metall sieht darin einen Bruch der bei Siemens seit 2010 geltenden Vereinbarung zur Standort- und Beschäftigungssicherung. Sie hatte deshalb Widerstand gegen die Pläne angekündigt.

“Ein Stellenabbau in dieser Größenordnung ist angesichts der hervorragenden Gesamtsituation des Unternehmens völlig inakzeptabel”, sagte IG-Metall-Vorstandsmitglied Jürgen Kerner, der auch im Aufsichtsrat des Konzerns sitzt. Er sei für die Gewerkschaft “nicht einmal eine ernsthafte Diskussionsgrundlage”. Kerner hofft dabei auch auf die Unterstützung der Mitarbeiter und der Politik.

Der Gewerkschafter warf dem Siemens-Vorstand vor, “trotz wiederholter Appelle” nicht rechtzeitig auf die Krise in der konventionellen Kraftwerkstechnik reagiert zu haben. Doch auch im Geschäft
mit erneuerbaren Energien hat Siemens Probleme: Die fusionierte
Windanlagen-Tochter Siemens Gamesa hat bereits den
Abbau von 6.000 Arbeitsplätzen angekündigt.”Für ein Unternehmen wie Siemens grenzt diese Mischung aus Tatenlosigkeit und Einfallsarmut an einen Offenbarungseid des Managements”, sagte Kerner nach einer Sitzung des Wirtschaftsausschusses, auf der Spartenchef Willi Meixner und Personalchefin Janina Kugel die Pläne präsentiert hatten.

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