Prinz Harry wird im Frühjahr 2018 die amerikanische Schauspielerin Meghan Markle ehelichen. Kennt er sie von Netflix? Oder hat der Buckingham Palace überhaupt kein WLAN?

Uns bei der Gesellschaftskritik rauben ja mitunter die seltsamsten Fragen den wohlverdienten nächtlichen Schönheitsschlaf. Etwa diese hier: Hat Prinz Harry eigentlich ein Netflix-Abo und hat er dadurch seine künftige Ehefrau kennengelernt? Seit gut einem Jahr stellen wir uns diese Frage, durchaus nicht ununterbrochen, es gibt auch in unserem Leben größere Sorgen als die Streaming-Gewohnheiten, die in den Gemächern von Königshäusern gepflegt werden. Als Technikinteressierte würden wir uns zum Beispiel erst mal grundsätzlicher fragen: Gibt es im Buckingham Palace eigentlich WLAN, damit auf royalen Laptops gestreamt werden kann? Und wenn ja: Wie gut ist die WLAN-Verbindung im hinterletzten der 775 Zimmer des Baus, in dem wir Harry, bis zur bevorstehenden Geburt des dritten Kindes seines großen Bruders William noch Nummer fünf in der Thronfolge, standesgemäß sich gelegentlich aufzuhalten glauben?

Aber eben: Am 8. November 2016 hatte Prinz Harry von Wales durch sein Pressesekretariat offiziell bestätigen lassen, bei der amerikanischen Schauspielerin Meghan Markle handele sich um des Durchlauchten “girlfriend“. Diese derart bürgerlich Bezeichnete wird nun also nach neuesten Meldungen im Frühjahr 2018 in den Stand der “wife” erhoben. Markle kannten wir bis dahin nur von Netflix, aus den auf jener Streaming-Plattform verfügbaren Staffeln der Serie Suits. Die 36-Jährige spielt dort die Anwaltsgehilfin Rachel Zane, und das wussten wir auch nur deshalb, weil wir exakt vier Tage vor der Harry’schen “Girlfriend“-Verkündung erst selbst ein Netflix-Abo abgeschlossen hatten. An jenem 4. November 2016 war dort eine andere Serie gestartet, derentwegen wir uns herabgelassen hatten, diese neuzeitliche Art des Fernsehkonsums buchstäblich in Betracht zu ziehen: die erste Staffel von The Crown des Königinnen-Verstehers Peter Morgan über die jungen Schicksalsjahre von Queen Elisabeth II. von 1947 bis 1955.

Damit war in jener letztgenannten Serie noch knapp nicht der Präzedenzfall erzählt, an den wir Hobby-Historiker von der Gesellschaftskritik angesichts der filmreifen Verbindung von Harry und Meghan gleich denken müssen: Im Jahre 1956 heiratete die amerikanische Schauspielerin Grace Kelly ja Fürst Rainier III. von Monaco. Kelly war ein glamouröser Star des alten Hollywoodkinos, und insofern betrachten Traditionalisten wie wir die bevorstehende Hochzeit des britischen Zweitprinzen mit einer zudem bereits geschiedenen Vertreterin der Streaming-Dienste naturgemäß als Bestätigung unserer schlimmsten Albträume vom ewigen kulturellen Verfall: Grace Kelly hatte sich immerhin noch in Die oberen Zehntausend auf ihre nächste Rolle als Fürstin vorbereiten können, während Suits inhaltlich nicht mal echte Verbindungen zum Geldadel hat.

Zur historischen Wahrheit indes gehört auch, dass die letztjährig erfolgte Freundinnen-Meldung des Hauses Windsor einen durchaus ritterlichen Hintergrund hatte. Prinz Harry ließ in der Bekanntmachung kritisieren, Markle sei zuvor einer Welle an Verunglimpfungen ausgesetzt gewesen. Durch rassistische Untertöne in der Presseberichterstattung – Markles Mutter ist Afroamerikanerin – ebenso wie durch “offenen Sexismus und Rassismus von Social-Media-Trollen”.

So zeigt sich, dass Prinz Harry von Wales offenkundig nicht nur ein grundguter Mann ist, was sich aufgrund gelegentlicher Ausschweifungen und Kostüm-Fauxpas in der Vergangenheit mitunter bezweifeln ließ. Sondern mit seiner Beziehung zu Markle symbolisch auch seinen Beitrag dazu leistet, das britische Königshaus weiter in der Gegenwart ankommen zu lassen. Daran wollen auch wir von der Gesellschaftskritik keine Gesellschaftskritik üben.

Als Royalisten fragen wir uns lediglich, ob es nun unsere Untertanenpflicht sein könnte, wirklich alle fünf bisher auf Netflix verfügbaren Staffeln von Suits anzuschauen. Am 8. Dezember kommt dort bereits die zweite Staffel von The Crown an, und wir fürchten, das schaffen wir rein zeitlich alles gar nicht. Bei uns zu Hause in den bürgerlichen Berliner Altbauwänden läuft das WLAN halt auch nicht so richtig schnell.

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