Sieben Spiele war der BVB die beste Mannschaft der Bundesliga, dann fünf Spiele die schlechteste. Wie kann das sein?

Den Fall Borussia Dortmund erklärt man am besten mit dem 6:1-Sieg gegen Mönchengladbach im September, dem Höhepunkt dieser BVB-Saison. Nach zwanzig Minuten hätte es auch 0:3 stehen können, wenn die Gladbacher nicht am Dortmunder Keeper Roman Bürki oder sich selbst gescheitert wären. Dann wäre das Spiel vielleicht 3:3 ausgegangen. Oder 1:3. Oder 1:6.

Schon dieses Spiel hat ahnen lassen, was kommt: eine der auf den ersten Blick rätselhaftesten Einbrüche der Bundesliga-Geschichte. Sieben Spiele war der BVB die beste Mannschaft, dann fünf Spiele die schlechteste. Aus 5 Punkten Vorsprung auf die Bayern wurden 9 Punkte Rückstand. Aber das sind nur Zahlen. Dortmund war in den erfolgreichen Spielen nicht so gut, wie es schien.

Der BVB hatte zuletzt stärkere Gegner, Verletzungspech, eine typische Abwärtsdynamik nach Niederlagen setzte ein. Aber schon bei den Siegen konnte man das Problem erkennen: Die Dortmunder können einfach nicht verteidigen.

Dortmund hat eine Reihe guter bis sehr guter Stürmer: Pierre-Emerick Aubameyang, Christian Pulisic, Maximilian Philipp, mit Abstrichen Andrij Jarmolenko, der verletzte Marco Reus. Sie sind technisch gut, fintenreich, laufen viel und schnell. Diese individuelle Stärke reicht gegen Augs-, Frei- und Hamburg, oft kommen solche Gegner gegen den BVB kaum zum Angreifen. Die Offensive ist nicht schlechter als die von Bayern.

Ganz anders sieht es hinten aus. Der einzige Abwehrspieler von Format ist Sokratis, der Abräumer. Der Grieche ist zwar kein Genie im Spielaufbau, hat jedoch Härte, kann Gegner bekämpfen, auch beim Kopfball. In dieser Saison ist er gelegentlich verletzt, er war zudem schon mal besser in Form. Dann fallen die Schwächen der anderen ins Gewicht.

Zum Beispiel die von Marc Bartra. Der elegante Spanier hat gegen Wolfsburg und Bayern je ein herrliches Tor geschossen. Aber er wiegt gerade 70 Kilogramm, bei 1,82 Meter Größe. Selbst dem FC Barcelona, dem Herz des spielerischen Fußballs, war er zu schmalbrüstig. Oder Ömer Toprak, der Zugang hatte sich in Freiburg und Leverkusen nie auf höchstem Niveau bewiesen. Warum sollte er es mit 28 noch schaffen?

Der beflissene Kämpfer Marcel Schmelzer turnt manchmal zu weit vorne rum, zuletzt beim Stuttgarter Siegtor. Bezeichnend, dass Joachim Löw nicht auf ihn setzt, den Kapitän des zweitbesten deutschen Vereins, obwohl Löw Linksverteidiger sucht. Dan-Axel Zagadou fehlt es an Orientierung und Stellungsspiel, Jeremy Toljan an Geschick im Zweikampf. Bei der Niederlage gegen Leipzig ließ sich der rechte Verteidiger des BVB austanzen, war an allen drei Gegentoren beteiligt. Roman Bürki ist kein Tormann, der einer wackligen Abwehr auf Dauer Sicherheit gibt.

Und dann ist da noch Julian Weigl, der leichtfüßige Verteiler mit dem großen Ballgefühl. Er ist das Produkt der ersten Generation der Nachwuchsreform, als der DFB den Schwerpunkt auf Passspiel setzte. Das führte zu Inselbegabungen. Weigl etwa ist ein guter Fußballer ohne Gegenspieler. Wird er allerdings von einem oder gar zweien gestellt oder angegriffen, bleibt ihm nur der Quer- oder Rückpass.

Für einen defensiven Mittelfeldspieler ist er zudem extrem unphysisch. Wenn im Zweikampf einer fällt, ist es immer Weigl. Es gab schon einige Gegentore, die ein schnellerer und im körperlichen Sinne stärkerer Spieler verhindert hätte, etwa von Bayern, Gladbach, Leipzig oder Nikosia. Dabei spielt Weigl erst seit Ende September wieder mit, dem Zeitpunkt, als sich die Dortmunder Ergebnisse zum Schlechteren wendeten.

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