Einäschern war gestern, Schockfrosten ist morgen, zumindest auf der Bestattermesse: Wer im Leben kein Juwel war, der träumt davon, als Diamant unvergänglich zu werden.

Papa ist jetzt ein Baum, warum auch nicht. Die Vorstellung, dass man seine Asche in einer kompostierbaren Biourne zwischen den Wurzeln eines Baumes bestatten lässt, wird in Deutschland immer beliebter. Man geht mit seinen Überresten mit der Zeit in den Baum über, ernährt und stärkt ihn, wird Teil seines Organismus. Weiterleben, ein kleines bisschen zumindest. Die Bestattungsmesse Happy End in Hamburg hat soeben gezeigt, dass das gerade der Trend im Bestattungsgewerbe ist. Fast jeder zweite Aussteller präsentierte eine Möglichkeit mit Baum. Besser lässt sich das gewandelte Verhältnis der Deutschen zur Totenruhe gar nicht versinnbildlichen.   

Denn natürlich geht es bei der Baumbestattung – ob im FriedWald, im RuheForst oder auf dem Baumfeld eines klassischen Friedhofs – auch darum, dass das Baumgrab wenig Arbeit macht. Die Angehörigen wohnen oft weit weg und haben kaum Zeit. Das Baumgrab muss nicht gepflegt werden, es hält sich aus der anstrengenden und teuren Friedhofs-Konkurrenz um den schönsten Grabstein mit den frischsten Blumen heraus. Das Baumgrab ist von allein schön, einfach, weil es grün ist und die Deutschen Bäume lieben, der Tote wächst dabei symbolisch gen Himmel. Alle happy?

Ja, bei der Happy End will man unverkrampft an die Themen Tod und Bestattung herangehen, und das schien am Wochenende ganz gut zu funktionieren. Im Hühnerposten am Hauptbahnhof, einer Halle im ehemaligen Hamburger Bahnpostamt, präsentierten etwa 30 Aussteller ihre Geschäftsideen. Im Hintergrund legte eine DJane sanfte Messe-Beschallung auf, perwollweiche Coverversionen von Take A Walk On The Wild Side zum Beispiel.

Naturnah ging es auch beim Vortrag von Anja Wiebke zu, die bei den Hamburger Friedhöfen für den Friedhof Ohlsdorf, den viertgrößten Friedhof der Welt, zuständig ist. Sie informierte über die verschiedenen Themenbereiche (Schmetterlingsgarten, Blumenband, Kolumbarium) und über die Ohlsdorf-App, mit der man sich auf dem 390 Hektar großen Areal (“neunmal der Vatikan”) zurechtfinden könne. Und sie erzählt, dass die Informationsveranstaltungen, zu denen sie monatlich einlade und für die sich vor zehn Jahren noch kaum jemand interessiert habe, inzwischen immer überlaufen seien, 120 Menschen pro Termin. Auch das ist also ein Bestattungstrend: Vorsorge. Man will noch zu Lebzeiten ganz genau festlegen, wie und wo man unter die Erde kommt. Damit es nachher keine bösen Überraschungen gibt oder die Trauernden sich überfordert fühlen.

Grün, pflegeleicht, rechtzeitig – das waren die Kernpunkte der Happy End. Alternative grüne Bestattungsmethoden wurden weniger bedacht, obwohl die in Deutschland erlaubten Methoden – Erdbestattung und Kremation – bislang in der Kritik, weil sie nicht die umweltfreundlichsten sind.

In Schweden wird seit einigen Jahren für die sogenannte Promession geworben: ein neues Verfahren, bei dem der Leichnam bei minus 196 Grad schockgefrostet wird. Er zerfällt dann zu Granulat, welches in die Erde eingelassen wird, wo es innerhalb weniger Monate vollständig zu Humus kompostiert. Anders als bei einer klassischen Erdbestattung wird dabei kein Treibhausgas freigesetzt.

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